Züritipp: Faber denkt viel nach


«Homo Faber» nach Max Frischs Roman wurde schon verfilmt und zigmal im Theater aufgeführt. Haben diese Fassungen Sie beeinflusst?

Nicht wirklich. Ich hatte von Anfang an eine klare Vorstellung, wie ich «Homo Faber» auf die Bühne bringen wollte. Die anderen Fassungen habe ich deshalb im Vorfeld gar nicht gelesen.

Was gehörte zu Ihrer klaren Vorstellung?

Das Buch besteht zu einem grossen Teil aus Reflexion, Homo Faber denkt viel über die Ereignisse nach. Diese inneren Monologe können in einer Theaterfassung aber nur schwierig dargestellt werden. Es gibt jedoch – was für Frisch nicht ­typisch ist – eine klare Geschichte mit Personen, deren Schicksale sich dramatisch miteinander verstricken. Diese versuche ich herauszuarbeiten – ein Ansatz, den es auf der Bühne bisher so noch nicht gegeben hat, wie meine nachträglichen Recherchen gezeigt haben.

Prägen die Monologe trotzdem das Stück?

Die Reflexionen Fabers tragen viel zur Atmosphäre des Buches bei. Diese Gedankenwelt wollte ich ins Stück übertragen und dabei textlich nah bei Frisch bleiben. Ständig stellte ich mir die Frage: Wie hat Frisch Faber dargestellt? Er ist Techniker, und das kommt immer wieder zum Ausdruck.

Der Roman ist vor knapp sechzig Jahren erschienen. Was macht «Homo Faber» so zeitlos?

Dass das Buch so populär ist, liegt an der ­Liebesgeschichte. Die ist definitiv zeitlos. Dazu kommt, dass der Held gerade fünfzig Jahre alt wird und sich in einem starren Gefüge aus Anschauungen und Überzeugungen befindet. Dies und somit auch seine festgefahrene Rolle als unverheirateter, erfolgreicher Mann brechen im Laufe der Geschichte jedoch auseinander. Das hat bis heute eine grosse Wirkung. Wir alle haben eine Lebensphilosophie, die durch etwas Unvorhergesehenes auf die Probe gestellt werden kann. Und dann müssen wir uns bewähren, oder wir scheitern daran.

Ulrich Woelk war als Astrophysiker tätig, er schrieb zahlreiche Romane, Erzählungen und Theaterstücke - so auch «Homo Faber» als Auftragsarbeit für das Theater Kanton Zürich.

Erschienen im Züritipp am 21.01.2016

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