Züritipp: Keine Liebeslieder

Mit einem Buch wurde Tilman Birr bekannt. Live verpackt er seine Satire auch in Songs.

Tilman Birr tuckerte mit einem Bus voll nervender Touristen durch Berlin und erklärte ihnen die Aussicht. Stadtbilderklärer heisst dieser Beruf, «On se left you see se Siegessäule» das Buch, das der Deutsche über seine Erlebnisse geschrieben hat. 2012 ist es erschienen, 30 000-mal hat es sich verkauft. Seither hat Birr zwei weitere Bücher veröffentlicht

Tilman Birr ist jedoch nicht nur Autor, sondern auch Sänger, Slam-Poet und Komiker. Auf alle diese Fähigkeiten verlässt er sich auf der Bühne. So liest er die grenzdebilen Youtube-Kommentare unter «Alle meine Entchen»-Videos vor und singt danach den Klassiker mit quäkender Kinderstimme. Doch Birr kann die Töne auch treffen. Nachzuhören ist das beim Lied «Burn-out», in dem er sich mit Gitarre und rauer Stimme über die Auswirkungen von zu viel Arbeit und zu wenig Ferien mokiert: «Sabble mich nicht an, wenn ich durch deine Strasse lauf, ich war den ganzen Tag im Büro-Mann! - und bin richtig aggro drauf!»

Als vor einigen Jahren der Spätzlestreit in Berlin aufflammte – die Schwaben sollten schuld sein an der Gentrifizierung der Hauptstadt – und in grobe Sachbeschädigung, böse Plakate und viel Medienrummel ausartete, konterte der Frankfurter Birr mit dem Song «Berlin ohne Berliner (Schwaben raus!)»: «Auf der Strasse gäb es kein ‹Hey!›, kein ‹Alter!›, kein Geschrei. Meine Freunde, diese Zeiten wären endgültig vorbei! Keine Bratzen, keine Glatzen, keine Miesepeter mehr!»

Aktuell ist der 35-Jährige mit seinem dritten Programm, «Holz und Vorurteil», unterwegs. Wieder wird es Lieder, Texte und viele Seitenhiebe geben.

Erschienen im Züritipp am 4.2.2016

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