Züritipp: Lausbubenlieder

Vor über sechzig Jahren ist «Mein Name ist Eugen» erschienen. Jetzt wird aus dem Buch ein Musical. Der «Züritipp» durfte schon mal zuschauen.

«Nüt als Ärger mit dene Giele», schimpfen die Eltern. Drohen, das Pfadilager zu streichen und die vier Buben in ein Internat zu stecken. Zu viel schlechte Laune für Eugen und seine drei Freunde: Sie wollen nie älter werden, sondern für immer Lausbuben bleiben. Wie Fritzli Bühler, ihr grosses Vorbild. «In der Badi hat er jedes Paar Schuhe versenkt», schwärmt Eugen. Doch auch er selbst ist um keinen Streich verlegen: Füllt ein Boot mit Wasser, zwängt den pummligen Freund in das Sonntagskleid der Tante, faltet aus Lehrerbriefen Papierflugzeuge. Ins Sommerlager dürfen die Freunde trotzdem. Statt Spass gibt es aber auch dort Ärger – und die vier Buben verlassen die Zeltstadt im Tessin. Mit den Fahrrädern wollen sie nach Zürich. Dorthin, wo ihr Held Fritzli Bühler lebt.

Autor Roman Riklin und Regisseur Dominik Flaschka («Ewigi Liebi» / «Ost Side Story») haben den Roman von Klaus Schädelin nicht in die Gegenwart gezerrt: Die eigens komponierten Lieder klingen so eingängig wie nostalgisch. Eugen trägt orangefarbene Knickerbocker und ein kariertes Hemd, die anderen Darstellerinnen und Darsteller ordentlich gescheiteltes Haar und lederne Schulranzen. Auch die Sprache wirkt auf charmante Weise ältlich: «Finger ab de Rösti!», wettert beispielsweise Eugens Tante. Sie wird wie alle erwachsenen Figuren von einer mürrisch dreinblickenden Puppe dargestellt. «Ein schöner Kniff.», findet Michael Schädelin. Er ist der Sohn des Autors und hat im Vorfeld einige Proben besucht. «Der Roman behandelt die Not der Kinder, die in die erwachsene Welt übertreten. Diesen Grundtenor nimmt das Musical schön auf.»

Immer wieder sucht Eugen alleine das Scheinwerferlicht und informiert über die kommenden Geschehnisse. Sein Hochdeutsch ist das eines Primarschülers, die ch-Laute kratzen im Hals, und die ä werden gedehnt. Bäschteli, der Streber der Clique, warnt vor einer Qualle: «Das darf man nicht anlängen!» Das passt. Auch der Roman ist geschrieben, als hätte ihn Eugen heimlich während der Schulstunden verfasst. Trotz diesem kindlichen Schreibstil richtete sich «Mein Name ist Eugen» in erster Linie an Erwachsene – wie auch das Musical.

Erschienen im Züritipp am 03.03.2016

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