Züritipp: Dem Krieg entrinnen

Autor und Puppenspieler Enno Podehl schickt zwei Jungen auf die Flucht. Ihre Erlebnisse sind für viele Kinder Alltag.

Zwei Brüder werden von der Mutter weggeschickt. In einem abgelegenen Bootshaus sollen sie sich vor den Unruhen in der Stadt verstecken. Die Flucht ist für die Jungen ein Abenteuer; das Leben und Spielen am Wasser unbekümmert. Doch als die Kinder bei einem ihrer Streifzüge einen Verwundeten entdecken, holt sie der Krieg ein.

Ein lauter Schuss ist das deutlichste Zeichen für Krieg, das der Autor Enno Podehl setzt. «Das Bootshaus» bezieht sich auf keine politische oder historische Begebenheit. Klar sind die Ängste und Aggressionen der Betroffenen: Metaphorisch werden die Leiden gezeigt, die Kriege auslösen und hinterlassen. Podehl hat das Theaterstück vor einigen Jahren geschrieben, mit seiner Bühnenpartnerin Mirjam Hesse führt er es europaweit auf. Beide sind erfahrene Puppenspieler und übernehmen die verschiedenen Rollen, Podehl selbst agiert als Erzähler.

Papierenes Schilf, gedeckte Farben und kaum Requisiten: Die reduzierte, poetische Bildsprache lässt Raum für eigene Geschichten und Gedanken. «Die vergangenen Aufführungen zeigten, dass fast in jeder Familie derartige Erlebnisse als schicksalsentscheidende Momente aufbewahrt sind», weiss Podehl. Für eine Irin erzählte das Stück die Geschichte ihrer Mutter. In Berlin fühlte sich ein Mann an das Schicksal seines Onkels erinnert. Die Erlebnisse der beiden Flüchtlingskinder stehen jedoch nicht nur für vergangene Tragödien: «Was aus einer Erinnerung an Kriegserlebnisse entstanden ist, beschreibt nun wieder reale Erlebnisse vieler Erwachsener und Kinder heute», so der Puppenspieler. «Das Thema ist zurzeit so nah an uns dran wie schon lange nicht mehr.»

Erschienen im Züritipp am 17.03.2016

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