Züritipp: So gut wie alt

Mayer Hawthorne belebte den Soul neu und brachte ihn zurück in die Hitparaden.

Wie Amy Winehouse. Nur männlich. So lautete das Fazit vieler, die 2009 das Debüt «A Strange Arrangement» von Mayer Hawthorne bewerten. «Ich habe keine Ahnung, was das ist, neu oder alt – aber es ist fucking good», schwärmte auch der englische Superproduzent Mark Ronson. Knapp 30-jährig war Mayer Hawthorne damals, arbeitete als Hip-Hop-Produzent und legte auf. Sein Künstlername? DJ Haircut. Eine Erinnerung an jene Zeiten, in denen er Haarschnitte mit Trotzanfällen verhindern wollte – und ihn seine musikbegeisterten Hippie-Eltern mit Platten besänftigten. Deshalb wurde Andrew Mayer Cohen – so sein bürgerlicher Name – bereits vor seinem ersten Schultag zum leidenschaftlichen Sammler.

«In Zeiten, in denen jeder innerhalb einer Stunde einen Song am Laptop machen kann, ist es unheimlich wichtig, einen eigenen Soundcharakter zu haben», erklärte Mayer Hawthorne kürzlich in einem Interview. Sein Schlafzimmer ist seit je sein Studio. Dort entstand auch das aktuelle Album «Man About Town». Wie seine drei Vorgänger realisierte es Hawthorne fast im Alleingang – er schrieb die Tracks, spielte jedes Instrument ein, sang gar teilweise die Back-up-Vocals. Letzteres zählt übrigens zu seinen Lieblingsbeschäftigungen – wie das Sammeln von alten und neuen Alben: In jeder Stadt besucht er einen Plattenladen, mehr als 5000 LPs soll er besitzen. Und das dritte Hobby? Als DJ die Nacht durchmachen. «Niemals werde ich damit aufhören», verspricht der Amerikaner. «Ich halte mich für einen besseren DJ denn Sänger. Schliesslich kann ich sogar im Schlaf auflegen.»

Noir: Schwarz hören

Auf einem Städtetrip in Paris sah René Kristensen ein Riesenplakat von Duran Duran. Beeindruckt erklärt der damals 8-Jährige seiner Mutter, dass er auch als Musiker die Welt bereisen wird. Wieso diese Anekdote jetzt in der Zeitung steht? Aus dem Jungen wurde einer der beliebtesten House-Produzenten Dänemarks. Seit anderthalb Jahrzehnten legt Kristensen als DJ Noir auf, betreibt seit 2007 ein eigenes, gleichnamiges Label. «Noir» heisst auch das Debüt, das im vergangenen Jahr erschienen ist. Fünf Jahre Arbeit steckte Kristensen in die 13 Tracks, die allesamt viel mehr als nur kurzlebige Clubhits sind.

Erschienen im Züritipp am 09.06.2016

#Züritipp #Club

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