Züritipp: Drei Stunden spielen

Konzerte, Konzerte! Das Publikum weiss, was es will. Doch was bedeuten Festivals für Bands? Der «Züritipp» hat bei vier Acts nachgefragt.

BLOC PARTY «Hymnes» heisst das aktuelle Album der englischen Band Bloc Party. Aufgenommen wurde es mit zwei neuen Mitgliedern. Wie steckt man das Openair-Publikum in die Tasche? Mit Geduld. Jede Show hat ihren natürlichen Rhythmus, und deshalb ist es wichtig, dass ihr Ablauf ganz natürlich bleibt. Welche Verhaltensregeln gibt es im Backstage-Künstlerbereich? Der Backstage ist nicht so glamourös, wie alle immer denken. Eigentlich macht sich dort jeder nur fürs Konzert fertig. Freuen Sie sich jedes Jahr auf die Openair-Saison? Ich freue mich vor allem darauf, neue Acts zu sehen. Weil wir so oft auf Tour sind, kann ich kaum mehr die Konzerte meiner Lieblingsbands besuchen. Festivals geben mir die Möglichkeit, das Verpasste nachzuholen. Wie sollte eine Band reagieren, wenns regnet, hagelt oder stürmt? Sonne macht natürlich gute Laune, aber schlechtes Wetter hat eine faszinierende Wirkung: Es bringt die Menschen näher zusammen.

WOLFMAN Das Zürcher Elektropop-Duo hat sein Livedebüt 2013 in Glattbrugg gegeben. Jetzt kehren Katerina Stoykova und Angelo Repetto zurück. Freuen Sie sich jedes Jahr auf die Openair-Saison? Warum (nicht)? Repetto: Eigentlich schon. Ich mag vor allem die kleinen Openairs, an denen die Besucher auch achtgeben auf ihren Abfall und sich nicht wie die letzten Menschen auf dem Planeten verhalten. Stoykova: Ja, ich freue mich wie früher auf die Hitze, die vielen Bands - und jetzt darf ich auch noch auf der Bühne herumhüpfen. Ihre erfreulichste Openair-Anekdote? Repetto: Als wir unseren ersten richtigen Gig am Zürich Openair hatten, haben wir die James-Blake-Show von der Seite mitverfolgt. Seinen feinen Hüftschwung werde ich nie mehr vergessen. Stoykova: Die Bad-Bonn Kilbi war toll, da war meine Mama dabei und hat zum ersten Mal in ihrem Leben einen Zug von einer Sportzigi genommen. Ihre entsetzlichste Openair-Anekdote? Stoykova: Jedes Openair kommt mit einer guten WC-Geschichte daher... Nach welcher Band würden Sie nie spielen wollen? Repetto: Ich habe grösstes Vertrauen in die Veranstalter, dass sie uns sinnvoll platzieren. Stoykova: Nach Rammstein. Die haben alle eine Ausbildung in Pyrotechnik, wir hätten da nicht mehr viel zu bieten. Wie sollte eine Band reagieren, wenns regnet, hagelt oder stürmt? Repetto: Regenmäntel verteilen. Wir könnens uns eh nicht leisten, aber wär noch anständig. Stoykova: Locker bleiben. Wir sind ja wasserdicht.

BILDERBUCH Die vier Österreicher kennen sich seit ihrer Jugend. Drei Alben gibts, «Schick Schock» sorgte 2015 für den Durchbruch.

Wie steckt man das Openair-Publikum in die Tasche? Zum Herzen des Publikums gibt es keinen Generalschlüssel, jedes Konzert ist anders und unberechenbar. Das ist auch gut so. Bei Festivals probieren wir natürlich, uns wegen der kurzen Auftrittslänge auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das ist nicht leicht. Wir würden am liebsten drei Stunden spielen – Bruce-Springsteen-Style!

Welche Verhaltensregeln gibt es im Backstage-Künstlerbereich? So weit ich weiss, keine. Liegt wahrscheinlich auch daran, dass Musiker von Grund auf anständige und kultivierte Menschen sind.

Freuen Sie sich jedes Jahr auf die Openair-Saison? Ja. Da wir zurzeit viel im Studio arbeiten, nutzen wir die Festivals am Wochenende als das, was sie auch sind: nämlich Partys.

Nach welcher Band würden Sie nie spielen wollen? Mir fällt leider keine ein. Alle, vor denen man Angst haben sollte, sind leider tot oder bereits in Pension. DILLON Dominique Dillon de Byington alias Dillon ist eine eigenwillige Sängerin aus Berlin, die abstrakte Lyrics und klare Melodien liebt. Freuen Sie sich jedes Jahr auf die Openair-Saison? Warum (nicht)? An Festivals ist es immer etwas wilder und chaotischer. Das empfinde ich als befreiend. Ich komme mehr aus mir heraus, da ich grundsätzlich weniger Einfluss auf das Geschehen habe. Das ist aber auch verunsichernd.

Wie steckt man das Openair-Publikum in die Tasche? Ich glaube nicht, dass es für mich eine magische Formel gibt. Ich öffne mich, und vielleicht öffnet sich auch das Publikum. Dieses Zusammenkommen ist doch so viel schöner als das Einstecken.

Welche Verhaltensregeln gibt es im Backstage-Künstlerbereich? Be kind! Be kind! Be kind!

Nach welcher Band würden Sie nie spielen wollen? Beyoncé? Ja, Beyoncé.

Ihre erfreulichste Openair-Anekdote? Es ist immer wieder bewegend, in anderen Städten und Ländern zu spielen und dabei zu merken, wie viel wir alle gemeinsam haben. Diese Erkenntnis berührt mich immer wieder.

Wie sollte eine Band reagieren, wenns regnet, hagelt oder stürmt? Ah, der Regen und der Wind! Manchmal gewinnen sie eben, und es bleibt uns nichts anderes übrig, als uns zurückzunehmen und auf einen Regenbogen zu hoffen.

HIGHLIGHTS Seit 2010 hat auch Zürich sein eigenes Musikfestival. Das diesjährige Programm sorgt für ein Wiederhören mit alten Lieblingsbands und ein Kennenlernen von unbekannteren Acts. Insgesamt sind mehr als 80 DJs und Gruppen gebucht.

DIGITALISM In den letzten zwei Jahren haben sich Digitalism rargemacht. Jetzt melden sich die deutschen Clubhelden mit «Mirage» zurück.

CHVRCHES Das Trio aus Glasgow entzückt seit 2012 die Popwelt mit eingängiger 80er-Musik.

M83 Auf dem siebten Album, «Junk», driftet die französische Dreampop-Band M83 ins Seichte ab. Auf der Setlist werden aber auch die alten Überhits stehen.

HUDSON MOHAWKE Ross Brichards alias Hudson Mohawke war erst als Teil eines Duo erfolgreich, begeisterte gar Kanye West. Sein erstes Debüt «Lantern» gewinnt live an Eindringlichkeit.

Erschienen im Züritipp am 18.08.2016

#Züritipp #ZürichOpenAir

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