Die Heimkehrerin


Lange war die Schauspielerin weg aus Zürich. Jetzt spielt die 27-Jährige in ihrer Heimatstadt mit Antigone die erste Hauptrolle ihrer Karriere.

Wieder in Zürich leben? Das konnte sich Elisa Plüss eine Zeit lang nicht vorstellen. Fünf Jahre war sie weg. «War ich jeweils hier, habe ich mich immer als Besucherin gefühlt.» Dieses Gefühl ist verschwunden – und Plüss wieder da. Sie sitzt an einem Holztisch in der Kantine des Schauspielhauses, knotet sich die Haare lose zusammen und trinkt einen grossen Schluck Wasser. Plüss kommt gerade von der «Antigone»-Probe. In der von Günter Senkel und Feridun Zaimoglu neu bearbeiteten Tragödie von Sophokles spielt die Zürcherin die Hauptrolle.

Aufgewachsen ist Plüss im Kreis 7, direkt neben dem Pfauen. Nach der Matura verliess sie die Stadt, ging nach Österreich und studierte in Salzburg Schauspiel. Seit letzter Saison gehört sie zum Ensemble des Zürcher Schauspielhauses. Ihr erstes Stück war «Mephisto», unter der Regie des Tschechen Dušan David Parízek. Das Vorsprechen fand in genau jenem Raum statt, in dem Plüss bereits als 14-Jährige stand. «Ich war ein Jahr lang im Jugendclub des Schauspielhauses – und Schauspielen war immer mein liebstes Hobby», erzählt sie.

Vor ihrem Studium hat Elisa Plüss am Burgtheater ein praktisches Theaterjahr absolviert. «Dem Theater wird in Wien eine grosse Aufmerksamkeit entgegengebracht», sagt sie. «Man wird dort auch öfter auf Aufführungen angesprochen als in Zürich.»

Faszinieren hier Partys und Bars die Menschen mehr? Plüss verneint: «Ich glaube an das Theater und seine Wirkung.» Und an die des Schauspielhauses: «Die Räume, die Stimmung und die Möglichkeiten, die wir hier haben, sind toll.» Deshalb hat sie sich im vergangenen Jahr auch für Zürich entschieden und andere Angebote abgelehnt. Früher setzten sie solch grosse Entscheidungen unter Druck. Heute ist sie entspannter. Sie weiss, was sie will: viel Theater, ein bisschen Film. Zuletzt spielte sie in «Finsteres Glück» nach dem Roman von Lukas Hartmann eine grössere Rolle. Es war ihr erster längerer Dreh, drei Wochen dauerte er für Plüss Ein Glück! «Nur an zwei, drei Tagen am Set zu sein, gibt mir das Gefühl, nicht richtig anzukommen», erklärt sie. Im November ist der Spielfilm in den Schweizer Kinos zu sehen.

Die 27-Jährige schenkt sich Wasser nach. Später muss sie wieder auf die Probe. «Ich liebe diese Zeit und die darauf folgenden Aufführungen», sagt die Schauspielerin. Eigentlich eher verträumt, sei sie auf der Bühne immer voll konzentriert. «Ich betrete die Bühne und weiss: Die nächsten zwei Stunden kann ich nicht abbrechen.» Jetzt spielt sie unter der Regie von Stefan Pucher eine Frau, die sich für das Recht ihrer Familie einsetzt und dafür mit dem Leben bezahlt. «Antigone hat eine extreme Haltung, für die sie auch eintritt. Das fasziniert mich.» Doch allzu viel möchte Elisa Plüss über ihre Figur nicht sprechen. Vieles ist noch am Entstehen, und ein ganzer Durchlauf hat noch nicht stattgefunden. «Das Stück ohne Unterbruch zu spielen, hilft mir oft, sämtliche Zusammenhänge zu verstehen», sagt Plüss Auch verändere sich das Verhältnis zur Rolle von Aufführung zu Aufführung: «Jeder Theaterabend ist anders. Ich werde Antigone immer weiterentwickeln.»

Erschienen im Züritipp am 08.09.2016

#Porträt #Züritipp #Bühne

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