Züritipp: Abtauchen

Das Theaterkollektiv Aspik geht mit Tschechows Komödie baden.

«Erster Akt: Der Kirschgarten muss vielleicht verkauft werden. Zweiter Akt: Der Kirschgarten wird verkauft werden. Dritter Akt: Der Kirschgarten ist verkauft. Vierter Akt: Der Kirschgarten ist verkauft worden. Der Rest: Das Leben.» So fasste der französische Schauspieler Jean-Louis Barrault das Stück «Der Kirschgarten bündig zusammen. Die Geschichte über die russische Familie, die ihr riesiges Anwesen verliert, hat Anton Tschechow vor mehr als hundert Jahren geschrieben. Jetzt steht den nostalgischen Gutsbesitzern das Wasser wieder bis zum Hals. Und zwar wortwörtlich: Das deutsche Theater Aspik verlegt die Handlung unter dem Titel Kirschgarten zu verkaufen» in das Nichtschwimmerrondell der Badi Tiefenbrunnen. Dort tauchen die Gutsbesitzer in Erinnerung ab, lassen sich im noch verbliebenen Luxus treiben. Doch die Realität holt die Planschenden bald ein: Das Haus und der Kirschgarten müssen versteigert werden, das feine Porzellangeschirr schwimmt ständig davon, und beim Überqueren des Beckens kentert das kleine Segelbötchen. Die frische Interpretation der Komödie zeigt, dass deren ernster Kern noch immer aktuell ist: Veränderungen scheuen und die Realität leugnen sind Verhalten, die nicht nur Tschechows Zeitgenossen perfektionierten. Auch wir tun das.

#Züritipp #Bühne

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